Der Wattwurm:

 

"Willy der Wattwurm" mit Kothaufen

 

 

Der Wattwurm (Arenicola marina) gehört zur Klasse der Vielborster. Der rotbraune Wurm wird etwa 20 bis 40 cm lang und etwa fingerdick. Er lebt in 20-30 cm tiefen Röhren in J- oder U-Form im Wattenmeer und ernährt sich von organischen Stoffen, die er aus dem Schlick aufnimmt. Etwa alle 45 Minuten kommt er an den Eingang seiner Röhre und stößt Kot aus, der als spaghettiförmiger Sandhaufen den Eingangsbereich seiner Röhre markiert

 

 

Der Bäumchenröhrenwurm

 

 

Lanice conchilega

 

Baumkronen im Watt

 


Leicht übersieht man die aus Sand und Muschelschill gebaute "Baumkronen", die 1 - 2 cm aus dem Wattboden herausragen. In sandigen Watten und im küstennahen Bereich der Nordsee ist der Bäumchenröhrenwurm häufig anzutreffen. Er kann dichte Kolonien bilden, wobei die "Baumkronen" stets quer zur Hauptströmungsrichtung stehen. Bei Übersandung oder Freispülung können die Würmer binnen Stunden ihre Röhren reparieren

Wie sieht der Wurm aus
Der Wurm selbst ist schlank, rosa und weichhäutig mit einzelnen Borsten an den Körperseiten. Am Kopf trägt er ein dichtes Büschel aus etwa 100 feinen Tentakeln. Diese können bis auf 12 cm Länge gestreckt werden und transportieren Baumaterial oder Nahrungsteilchen heran. Die geweihörnig verzweigten, tiefroten Kiemen des Wurmes sitzen ebenfalls am Kopf.



Nicht alle Jahre wieder
In Eiswintern erfrieren alle Bäumchenröhrenwürmer im Watt, und es dauert zwei Jahre, bis die Art die leergefrorenen Bereiche wieder besiedelt. Sonst tritt der Wurm ganzjährig im Watt auf, erreicht aber im Sptsommer oft ein Bestandsmaximum. Er wird bis 8 cm lang und drei Jahre alt.

 

Ringelwürmer

 

 

(Annelida)

Die Ringelwürmer (Annelida) oder auch Gliederwürmer bilden einen Stamm der Lophotrochozoen (Lophotrochozoa) die wiederum zu den Urmändern (Protostomia) gehören. Ringelwürmer werden in zwei Klassen eingeteilt: Vielborster  (Polychaeta) und Güterlwürmer (Clitellata), die sich in Wenigborster (Oligochaeta) und Egel (Hirudinea) aufteilen. Insgesamt gibt es etwa 18.000 verschiedene Arten. Die größten bekannten Arten sind eine in Australien beheimatete Regenwurmart, die eine Länge von bis zu 3 Metern erreichen kann, sowie der Meereswurm Eunice aphroditois mit einer ähnlichen Länge und bis zu 1000 Einzelsegmenten. Die kleinsten Arten leben im Grundwasser und in der Sandlückenfauna und erreichen Längen von 300 Mikrometern (Gattung Diurodrilus), die Zwergmännchen der Art Dinophilus gyrociliatus werden sogar nur 50 Mikrometer lang.

 

 

Merkmale

 

Wie im Namen des Ringelwurms bereits enthalten, besteht er aus mehreren Ringen, so genannten Segmenten. An den Segmenten befinden sich bei einigen Arten, vor allem bei den Polychaeten paarförmige Stummelfüße die mit Borsten, den so genannten Chaetae, durchzogen sind. Die meisten Ringelwürmer leben unter Wasser, einige Arten besitzen auch Kiemen.

Die sekundäre Leibeshöhle (Coelom) des segmentierten Körpers, die bei den Ringelwürmern das erste Mal in der Evolution auftaucht, ist vollständig mit Flüssigkeit erfüllt und wird von einem geraden rohrartigen Darm durchzogen. Das hydrostatisches Skelett ermöglicht im Zusammenspiel mit den Ringmuskeln, den Längsmuskeln und den Borsten ein effektives Fortbewegungsystem. Errante, also frei bewegliche Ringelwürmer erhalten durch dieses System ihr typisches Fortbewegungsmuster. Je nach Lebensraum und zum Teil auch nach unterschiedlicher Lebensphase können Anneliden kriechen, schwimmen, sich schlängeln oder auch undulieren (rhythmische Bewegung um für Wasserdurchströmung in Wohnröhren und damit für Durchlüftung zu sorgen). Das Blutgefäßsystem ist geschlossen und besteht aus einem Rücken- und einem Bauchgefäß. Vor allem bei ursprünglich gebauten Ringelwürmern findet eine Cephalisation statt. Die neuronalen Zentren werden im Kopfbereich zusammen mit den wichtigsten Sinnesorganen konzentriert. Zur Steuerung der einzelnen Segmente finden sich aber nach wie vor Anhäufungen von Nervenzellen, sogenannte Ganglien, paarig in den einzelnen Segmenten. Auch hier kann es zur Konzentration von Ganglien kommen. Das für die Anneliden typische Strickleiternervensystem findet sich als Bauchmark auf der ventralen Seite dieser Tiere. Die in Lehrbüchern oft schematisch dargestellte Nervenstrickleiter ist im präparierten Tier nicht ohne weiteres zu erkennen. Mit bloßem Auge sieht man auch bei großen Ringelwürmern nur eine Ansammlung von Nervenfasern die auf den ersten Blick keiner Strickleiter ähnelt.

 

 

Lebensweise

 

Die Vielborster sind meist Meerestiere. Die festsitzenden Arten (Sedentaria) ernähren sich von Plankton, die freilebenden Arten (Errantia) ernähren sich meist räuberisch oder als Weidegänger. Einige Vielborster sind zwar grundsätzlich freibeweglich, werden jedoch zu den Sedentaria gezählt, weil sie in Röhren leben und an eine ortsgebundene Lebensweise angepasst sind, wie der Pier- oder Wattwurm (Arenicola marina). Sie und auch die zu den Wenigborstern gehörenden Regenwürmer wie Lumbricus terrestris ernähren sich von Bakterien und organischen Stoffen, indem sie das umgebende Substrat fressen und die nährstoffreichen Anteile verdauen. Regenwürmer und Wattwürmer sind damit erheblich an der Umwälzung und Auflockerung der bewohnten Böden beteiligt.

Die Fortpflanzung der Ringelwürmer ist äußerst vielgestaltig. Es gibt zwittrige und geschlechtliche Fortpflanzung, lebend gebärende Arten, Larvalentwicklung, Sprossung, Generationswechsel. Je nach Lebensweise haben sich passende Formen der Fortpflanzung herausgebildet.